Hier auf meiner Homepage kann man sich über den Schriftsteller, den Status ›quo vadis Weteschnik‹ informieren und auch darüber, was die Leser künftig erwarten wird. Dazu erscheinen an dieser Stelle Artikel, Ankündigungen und sonstiges Informatives, Aphorismen, Leseproben, Texte.

Viel Spaß beim Stöbern!

 

  

Das Bedürfnis, interessante Prosa zu schreiben,

ist als Impuls für die Literatur nicht ausreichend.

Marcel Reich-Ranicki

 

 

Aus der Aphorismen-Ecke:

Im Martinswinkel 

 

Der Wanderer 

Staubig von der Wanderschaft, 

müde, hungrig; wach, gesättigt. 

Der Kopf im Himmel, 

die Arme auf Wolken, 

die Füße verwurzelt. 

Losziehen ist Ankommen. 

Des Verstandes Mysterium ist Haben. 

Das Blau ist so rot wie das Grün. 

Sein hingegen ist sein Besitz. 

Wächst mit den Bäumen, 

als Berg dann schaut er schon ins Tal. 

Wiesen Wälder Wassergurgeln, Berge Täler Vögel rufen, 

Erde, Holz und Blumen duften. 

Zweige im Wind ‒ 

und ein flirrend kosmisch’ Weben haftet: 

Er ist der Staub.

 

 

Kleines satirisches Theaterstück in drei Akten

 

1. Akt

 

(Regieanweisung: Unter lautem Hurra und Gebrüll schiebt das Publikum die drei Protagonisten auf die Bühne.)

Der Russe: Das Volk hat es so gewollt.

Der Amerikaner: Die Nation hat gewählt. Ich kann euch Bilder davon zeigen!

Der Türke: Ich bin von Allah auserkoren.

Der Amerikaner: Allah? Muss ich den kennen? Wisst ihr, ich bin neu in diesem Business …

(Regieanweisung: Der Türke läuft rot an und ballt die Fäuste.)

Der Russe: Lass nur, die Amerikaner haben eben keine Kultur.

Der Amerikaner: Mein Gott, Russe, bist du klein. Ich bin der Größte von uns dreien.

Der Russe: Ich lass mich immer auf einem Pferd fotografieren.

Der Türke: Was machen wir jetzt?

Der Amerikaner: Wir raufen.

Der Russe: Nee, das ist blöd. Ich kann Judo.

Der Türke: Bitte, bitte mach mit. Ich will auch mal raufen.

Sie raufen. Danach liegen sie nebeneinander auf dem Rücken und rauchen türkische Zigaretten.

Der Türke: Bringst du mir Judo bei? Meine Frau schlägt mich …

Der Russe: Na klar. Du gehörst jetzt zu uns.

Der Amerikaner: Wo liegt Türkei? Wartet … ich weiß: Mein Berater sagt, Belgien ist die Hauptstadt von Brüssel, und das liegt im Norden, Nordkorea liegt im Norden ‒ nicht mehr viel Platz da oben ‒ … Amerika ist das Zentrum und liegt in der Mitte … die Türkei liegt im Süden!

Der Türke: Ja, Sonne und Ziegen. Ich liebe Ziegen.

Ein Satiriker im Publikum wird wegen unterirdisch geschmackloser Texte von UN-Beobachtern nach draußen geleitet. Russische und türkische Milizionäre (Regieanweisung: haben keinerlei persönliche Ausweispapiere dabei) suchen mit entsicherten Maschinengewehren das Publikum nach Journalisten ab. Ein jüdischer Siedler reckt den Hals. Er sitzt auf einem Palästinenser, um besser sehen zu können. Die UN-Beobachter kommen zurück. Einer reicht dem Palästinenser ein Beatmungsgerät. Die drei UN-Beobachter steigen auf die Bühne.

Die drei UN-Beobachter (singen): Fürchtet euch nicht, wir beobachten nur.

Der Russe: An Kurt Weill ist die russische Revolution gescheitert. Niemand kann derartige Geräusche ertragen. Und diese Texte … Mutter Courage, mein Arsch!

Der Amerikaner: ›Arsch‹ kenne ich.

Die UN-Beobachter (singen): Zeit ist eine Komödie der Ewigkeit. Wir beobachten nur.

(Regieanweisung: Treten von der Bühne ab und nehmen schweigend hinter dem Siedler ihre Plätze ein.)

Der Amerikaner (zum Abschied): Jungs, wir telefonieren. Wozu haben wir das rote Ding.

Der Türke: Und ich? Meine Frau, ich fürchte mich … kein Telefon.

Der Amerikaner: Habt ihr Strom?

Der Türke: Ziegen.

Der Russe: Ich besuche dich, mein Türke, und du wirst ein Judochampion werden.

Der Türke: Wenn … wenn ich die Chinesen ärgere, bekomm ich dann auch ein rotes Telefon?

Der Amerikaner: Wer oder was zum Teufel sind jetzt schon wieder Chinesen?

Der Russe: Versprochen, ich bring dir ein Telefon mit, wenn du die Chinesen ärgerst.

Der Amerikaner: Ärger? Wir raufen, ich bin dabei!

 

 

2. Akt

Der Türke: Danke fürs rote Telefon!

Der Amerikaner: Der hat jetzt auch eins? Ich dachte, er muss zuerst die Chinesen ärgern! Chinesen, ich weiß jetzt, was das ist. Meine Tochter handelt damit.

Der Russe: Unser sehr geehrter Türke führt gerade die Todesstrafe ein. Das ist ein rotes Telefon wert.

Der Amerikaner: Na gut. Aber du, mein geehrter Russe, hast bestimmt das geheime Gespräch zwischen uns abhören lassen, neulich am roten Telefon, als ich dich im Kreml anrief. Ich will auch wissen, worum es dabei ging!

Der Russe: Dazu darf ich nichts sagen.

Der Türke: Alte KGB-Schule. Bewundernswert. Dem Geheimen ist alles geheim. Kannst du meine Frau ausspionieren? Sie trägt Tuch. Ich möchte wissen, wie sie darunter aussieht.

Der Russe: Mach ich Kumpel, mach ich. Vor dem Unbekannten hat ein jeder Angst. Aber du kannst jetzt Judo.

Der Türke: Das nutzt nichts. Sie beherrscht jetzt Wing Tsun: Ich fürchte mich …

Der Amerikaner: Seine Frau …

Die beiden anderen:… alle rüsten auf.

Alle Drei: Wir rüsten auf!

Der Russe: Zusammen sind wir stark.

Alle Drei: Wir sind das Universum:

Der Türke: Der Mond in der türkischen Flagge …

Der Amerikaner: … die Sterne in der amerikanischen …

Der Russe: … und ich bin der Welten Sonne!

Der Amerikaner: Soli, soli, soli.

Der Russe: Er kann Latein!

Der Amerikaner: Na klar, ich habe studiert ‒ bloß wo? Wenn ich mich doch nur erinnern könnte. Manieren, Kultur … wenn ich mich doch nur erinnern könnte. Aber Latinos kenn ich. Mucho Ärger. Fidel Castro und die Gangs an der Straßenecke … Mauer ist gut!

Der Türke: Auch ich habe einen besonderen Feind. Dessen Anhänger habe ich verhaften lassen, Zehntausende aus dem Staatsdienst entlassen. Heute weiß ich, sie waren nicht die Getreuen meines Feindes.

Der Amerikaner: Jetzt sind sie es.

Der Russe: Feindschaft erhebt uns zu wahrer Größe. Wenn sie dich hassen, lieben sie dich auch. Iwan den Schrecklichen haben sie zurückgeholt, mich wählen sie immer wieder.

Der Amerikaner: Man braucht nur wenige Vertraute: die Tochter, den Bodyguard und einen Caddy.

Der Russe: Den Caddy?

Der Amerikaner: Der lässt mich beim Golf gewinnen.

Der Russe: Hui, bei Wind und Regen …

Der Amerikaner: Das Wetter ist mir schnuppe. Klimaerwärmung existiert nicht. Die Temperatur in meinem Penthouse bleibt immer gleich.

Der Russe: Und das Baumsterben? Meine Pferde lieben die Natur.

Der Amerikaner: Wir pflanzen Geldbäume. Deren Blüten sind schöner und halten viel länger.

Der Türke: Für meine Olivenbäume ist das keine Lösung. Die Ziegen werden sie vermissen.

Der Amerikaner: Bei diesem verlogenen Klimaabkommen mach ich nicht mit. Doch wenn ihr es hören möchtet, ich hätte da eine Lösung …

Der Russe: Nun sag schon, irgendjemand muss doch das Abschmelzen der Pole stoppen!

Der Amerikaner: Wenn ihr die Eisberge retten wollt, müsst ihr weniger Eis essen. Ich esse zwei Eiskugeln am Tag, meine Mitarbeiter bekommen nur eine.

Der Russe: Tolle Idee!

Der Türke: Aber wozu hast du einen Caddy? Braucht man nicht jemanden für die Wirtschaft?

Der Amerikaner: Die läuft von ganz allein. Wir Amerikaner nehmen, was wir brauchen. 

Der Russe: Der Starke gewinnt.

Der Amerikaner: Deshalb ist Europa schwach: Liebe statt Krieg. Das kann nicht gut gehen. Ohne Rüstungsindustrie würden wir noch auf den Bäumen leben und Bananen auf Löwen werfen. Europa wird uns zum Fraß vorgeworfen.

Der Russe: Allein die Währung eint sie, weshalb sie zerstritten sind.

Der Amerikaner: Schade, in Frankreich hat die Frau die Wahl verloren. Ich hätt’ sie so gern begrabscht.

Der Russe: Keine gute Etikette. Stell dir vor, die Frauen fassen dir immer gleich in den Schritt.

Der Amerikaner: Das wäre toll …

Der Türke: Oh ja, endlich … Dem richtigen Gedanken folgt die richtige Tat. Wenn ich doch nur wüsste, wie meine Frau aussieht.

Der Russe: Wir sind nur so stark, wie unsre kleinste Schwäche es erlaubt.

Der Türke: Das Leben lebt, der glücklich ist, nicht wer’s irgendwann mal werden will.

Die UN-Beobachter: Haltet den Text flach, sonst wird das Publikum wach!

Der Türke: Na gut, Grabschen ist des Lebens Sinn.

Der Amerikaner: Du bist ein Weiser, wie deine chinesischen Vorfahren. Meine Tochter meint, Weisheit und Billigartikel stammen aus China. Der Mensch stammt von den Chinesen ab. Vom Pekingesen. Die Chinesen machen jetzt auch in Afrika rum. Mein Vorgänger war Afrikaner. Afrika gehört uns. Ich werde auch eine Mauer um Afrika bauen!

Der Russe: Das machen die Europäer schon.

Der Amerikaner: Dann behaupte ich, die Mauer wäre meine.

Der Türke: Es gibt viel Fake News über mich.

Der Amerikaner: Ich habe Fake erfunden. Du musst nachts twittern. Dann glauben sie dir alles. Bist du bei Fakebook?

Der Russe: Dort reite ich auf Pferden und bin groß.

Der Türke: Ich will auch so groß sein wie ihr!

Der Russe: Eines Tages hast du deinen Platz in den Büchern und man wird dich Kümmelgürki nennen ‒ der Große!

Der Türke: Wie Atatürk der Große.

Der Russe: Wie Attila der Große

Der Amerikaner: Wie Terminator der Große.

Der Türke: Terminator?

Der Amerikaner: Der vormalige Gouverneur von Kalifornien und Kämpfer für Freiheit, Recht und Todesstrafe.

Der Türke: Ach der mit den Muckis und dem unehelichen Kind? Unehelich, das steht künftig unter Todesstrafe.

Der Amerikaner: Oh fuck, nein!

Der Türke: Gilt aber nur für Frauen.

Der Amerikaner: Der große Terminator würde sich freiwillig hinrichten und mit den eigenen Muckis erwürgen, so ein Vorbild ist er.

Der Türke: Braun wie … au, oh heilige Ziegenscheiße, die Österreicher hauen alles zusammen, ‒ den Kaffee haben sie uns auch geklaut.

Alle Drei: Wir müssen mehr Waffen produzieren. Uns klaut keiner mehr etwas!

Der Türke: Kommt, wir raufen wieder!

Die UN-Beobachter: Im Kanon des Todes währt das Lied des Lebens kaum einen Takt lang. Schaut, sie raufen doch nur.

 

3. Akt

Der Amerikaner: Alle Gegner werd ich schassen …

Der Türke: … bin längst nicht mehr zu fassen …

Der Russe: … nur ich kann mich entlassen.

Der Türke: Hab ich sie alle auch verhaften lassen? Ich zweifle.

Der Russe: Die Gummibärchenhersteller musst du hinrichten, wenn sie Farben außer Rot anrühren.

Der Amerikaner: Lakritz ist auch gut.

Der Türke: Der Weise handelt, wo andere nichts tun, und tut nichts, wenn die meisten handeln. Ich, der große Kümmelgürki, handle ohn’ Unterlass.

Der Amerikaner: Keine Stunde vergeht ohne ein neues Sekret.

Der Russe: Dekret!

Der Amerikaner: Wir Amerikaner handeln schneller, als wir denken können. Im Wilden Westen schossen wir, bevor wir fragten. Heute schießen wir gleich nach der Frage. Vielleicht kann ich mich deshalb nur an die Frage und nicht die Antwort erinnern. Wo nur bin ich auf dem College gewesen?

Der Türke: Ich bin weise durch mich selbst. Ziegenschiss auf Atatürk!

Der Russe: Ja, den eigenen Weg sollten wir uns nicht durch fremde Vorbilder verstellen.

Das Publikum: Den eigenen Weg sollen wir nicht durch fremde Vorbilder verstellen.

Der Türke: Das gilt nur für uns.

Der Amerikaner: Wir herrschen, weshalb wir des eigenen Wegs bedürfen. 

Der Russe (zum Publikum): Wahre Freiheit gewinnt man aus sich selbst. Ihr aber braucht nur zu folgen. 

Das Publikum: Endlich jemand, der den wahren Weg kennt.

(Sie halten Stimmzettel mit nur einer Wahlmöglichkeit hoch).

Der Türke: Ich bin der Weg …

Der Russe: … und die Wahrheit …

Der Amerikaner: … and the American way of life.

Der Russe: Niemand kommt an Gummibärchen denn durch mich. Wenn ihr mich kenntet, so kenntet ihr auch meinen Gummibärchenherstellerverfassungsverordnungzusatzsparagraphen.

Der deutsche Regisseur: Warum sind die anderen immer so ungenau? Das muss heißen: Gummibärchenherstellerverfassungsverordnungszusatzparagraphabsatzklauselgesetz.

Der Amerikaner: Der Patriot Act erlaubt nur Lakritz. 

Der Türke: Ich werde auch die Gummibärchenhersteller verhaften lassen. Sie produzieren in den Farben meines Feindes.

Der Amerikaner: Der Staat ist der Feind. Wir Amerikaner lassen uns vom Staat nicht reinreden. Hier cared jeder für sich. Wer fällt, muss aus eigener Kraft wieder aufstehen.

Der Palästinenser: Lasst mich aufstehen.

Der Russe: Manchem stellt man lieber ein Bein und lässt ihn nicht aufstehen.

Der Türke: Gut so. Wer über die Zweifel anderer stolpert, bringt sich selbst zu Fall. Allah glaubt an mich. Ich dulde keinen neben mir.

ALle Drei: Wir sind auserkoren und dulden keinen neben uns.

Das Publikum: Sie sind auserkoren.

Der Autor des Stückes (zum Publikum): Ihr solltet euch erwählen. Freiheit erlangt nur, wer auch die eigenen Grenzen überwindet.

Die Zuschauer: Lasst uns die Verrückten abwählen. Ihr da, runter von der Bühne!

Der Russe: Ich biete euch Autogramme.

Der Amerikaner: Freikarten für Disneyland.

Der Türke: Ihr dürft meine Ziegen streicheln.

Das Publikum: Viel besser als Freiheit. Mühsam ist, an sich zu arbeiten. Freiheit? Wenn wir uns bloß erinnern könnten!

(Regieanweisung: Das Publikum stürmt die Bühne für Autogramme und Freikarten).

Der Siedler: (sich wieder auf den Palästinenser setzend): Hier, ich habe ein Autogramm für dich besorgt.

Die UN-Beobachter: Es tut uns leid, mein lieber Siedler. Inzwischen ist er verstorben. Tja, wenn der Mensch über seinen Schatten springt, ist die Sonne schon weitergezogen.

Die Drei: Kommt, lasst uns wieder raufen.


Schön gestaltete, teils illustrierte Ausgabe

Hardcover  10.00 €

»Endstation Bronx«

Packende abwechslungsreiche Geschichten, jede für sich betrachtet eine tiefgründige Perle und doch Teil eines äußerst unterhaltsamen Ganzen. Ein spannendes Format, neu auf dem Markt der Literatur!

Ein Polizist auf Verbrecherjagd in der Bronx. Der Bestsellerautor Gregor Samsa träumt, ein gewisser Kafka habe über ihn geschrieben. Zwei junge Menschen, Hure und Student, begegnen sich in L.A., der »Stadt der Engel«. In Wien findet ein äußerst genialer Klavierspieler seinen Meister. Die Hüterin einer Geheimlehre gerät auf einem entlegenen Landsitz bei London in eine ausweglose Lage. Ein Fan wird nach dem Tod ihres Idols selbst zum Star. Eine japanische Zeichnung, deren Botschaft ihren Betrachter erst nach Jahrzehnten erreicht. Eine amerikanische Kleinstadt, in der ein Junge die Augen der Bewohner erlöschen sieht. Ein Ladenbesitzer, der lediglich Türen öffnet und schließt. Eine Kartografin, die nicht nur die reale Welt zu vermessen weiß – und eine Schlussgeschichte, die mit all den vorhergehenden zu tun hat.

Der Facettenroman

Entdecken Sie ein neues literarisches Format!

Nicht nur Schriftsteller schreiben Geschichten, Stadt und Bürger erzählen sie täglich selbst. Was läge da näher, als die Heimatstadt durch Galerien und Texte einer ehemaligen Schulkameradin und Frankfurterin Euch einmal etwas anders und ganz persönlich vorzustellen.

Geplant für 2017:

Ein Frankfurt-Thriller

  

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