Ein Spaziergang durch den Anlagenring

 

Geobasisdaten: © Stadtvermessungsamt Frankfurt am Main, 2015   Liz.-Nr. 623-0615-I
Geobasisdaten: © Stadtvermessungsamt Frankfurt am Main, 2015 Liz.-Nr. 623-0615-I

Tipp: Unternehmen Sie eine Tour durch das grüne Frankfurt. Nehmen Sie Ihr Smartphone oder Tablet mit und folgen Sie dem Rundgang. Lesen Sie die interessanten Informationen und Hintergründe zu den markanten Punkten dann noch einmal direkt vor Ort.

Dauer der Tour ca. 2 Stunden

 

 

Kleine Historie

bevor wir uns auf den Spaziergang begeben ...

 

Anders, als die meisten Leute meinen, ist Frankfurt durchaus keine Betonstadt   nein, man kann um die Innenstadt laufen, ohne Grünanlagen zu verlassen. Daneben gibt es eine Vielzahl größerer und kleinerer Parks. Und sieht man sich die Stadt von oben an, z.B. vom Maintower, wird es offensichtlich. Es gibt jede Menge Grün in der Stadt. Und das ist nicht nur Zufall.

Tipp: Einen ganz fantastischen Begleiter durchs grüne Frankfurt bietet das Geoportal vom Stadt Vermessungsamt. Hier kann man direkt anklicken, welche Art Baum man gerade betrachtet und wann er gepflanzt wurde.

Einfach auf "Information zum Baum klicken", dann auf den gewünschten Baum in der Karte und das Ergebnis wird angezeigt. Tolle Sache das!

Probieren Sie es während des Rundgangs doch einfach mal aus:

Auf diesen Link und dann "Baumkataster starten" klicken

Ein Beispiel für das geplante Grün ist der Anlagenring. Ein sehr erstaunliches und vorausschauendes Großprojekt aus lange vergangenen Tagen. Ein Blick zurück:

Frankfurt entstand auf dem Domhügel, einer hochwasserfreien Erhebung aus Kies, die im Süden vom Main und im Norden vom Braubach umgeben war. Erste Siedlungen sind bis zur Steinzeit nachweisbar. Schon die Kelten und die Römer lebten hier. Die alte Reichsstadt Frankfurt war nur 1500 m lang und von Norden nach Süden 1000 m breit. Drum herum befand sich ein 2,5 km breiter Streifen aus Feldgemarkung, Stadtwald und Dörfern. Im 12.Jahrhundert bauten die Staufer rund um Frankfurt eine Stadtmauer; die Grenze der Stadt verlief ungefähr in Höhe der Zeil.

1333 gestattete Kaiser Ludwig der Bayer der Stadt sich auszudehnen und auch das jetzt neue Gebiet wieder mit einer Stadtmauer zu umschließen. Diese Mauer wurde 1343 gebaut  übrigens auch in Sachsenhausen. Sie war 6-8 Meter hoch, aus Stein mit hölzernem Wehrgang und einem davor liegenden 8-10 Meter breiten Wassergraben, gespeist von Main und Bächen.

Im 14.Jahrhundert kamen Türme, Tore und Pforten hinzu. Nach dem Dreißigjährigen Krieg 1618-1648 wurde die Befestigung z.B. durch den Bau der Friedberger Bastion erweitert, also einer Ausbuchtung zwischen Stadtmauer und Graben, die in Letzteren hineinragte. Am Ende wirkte die Stadtmauer wie ein Stern mit 11 Bastionen auf der Frankfurter Mainseite.

Da Frankfurt keine kriegerische Stadt war, als Handelsmetropole lag das nie in ihrem Interesse, und da es den Menschen im 18.Jahrhundert zu teuer wurde, das Bollwerk zu unterhalten und es außerdem schade war um den schönen Platz, wurden in Friedenszeiten die Wälle durchgehend mit Linden bepflanzt.

1781 war schließlich der ganze Außenring der Stadtbefestigung mit Alleen bepflanzt, Teile waren privat vermietet, als Arbeitsplätze für Tucher, Bleicher, Gärtner und Seiler oder als Privatgärten.

Nachdem Frankfurt 1802 Neutralität zugesichert worden war, beschloss man unter Fürst Carl von Dalberg die Entfestigung und Schleifung der Stadtmauer (1804-1806). Frankfurt war mit Gründung des Rheinbundes sieben Jahre lang im alleinigen Besitz des Fürsten, der im Palais Thurn und Taxis wohnte.

Am Eschenheimer Tor wurde damit begonnen, Parzellen der Stadtbefestigung in Erbleihe zu vergeben und Käufer zu verpflichten, die Parzellen selbst zu entfestigen und Gärten anzulegen. Auf den Grundstücken musste ein Teil öffentlich bleiben und es durfte nur am Rand bebaut werden, allenfalls kleine Tempel oder Sälchen waren zulässig. Dies regelte das „Wallservitut“, das in Frankfurt noch heute gilt.

 

Der Rundgang

 

 

 

 

Den Rundgang kann man im Osten am Main beginnen.

Hier befindet sich die Alte Stadtbibliothek (A).


Sie wurde um 1825 an der Schönen Aussicht errichtet und trägt im Giebel die von Arthur Schopenhauer entworfene Inschrift : Litteris Recuperata Libertate Civitas

„Die Stadt (widmet diesen Bau) nach Wiedererlangung der Freiheit den Wissenschaften“.

Frankfurt war seit 1816 wieder Freie Stadt Frankfurt. Die Bibliothek steht auf dem Gebiet des Fischerfeldes, einer Sumpfaue innerhalb der Stadtmauer. 1944 wurde die Bibliothek fast ganz zerstört, 2003 begann der Wiederaufbau. In der Bibliothek befinden sich das Literaturhaus und ein schönes Restaurant inmitten von Büchern, die man sich gerne aus dem Regal und an den Tisch holen darf.


Betritt man den Anlagenring , gelangt man zum Denkmal für Arthur Schopenhauer (C).

Die Schopenhauerbüste wurde 1895 am nördlichen Ufer des Rechneigrabenweihers aufgestellt. 1951 war sie verschwunden, wurde aber wiedergefunden, restauriert und 1952 südlich des Weihers wieder aufgestellt.

 

 

In der Nähe des Rechneigrabenweihers direkt an der Stadtmauer am Heilig-Geist-Krankenhaus befindet sich das Grab von Jakob Guiolett (B). Dieser sollte das Palais von Thurn und Taxis herrichten und kam 1806 nach Frankfurt am Main. Er war 1809 Senator, 1811 Präfekt, dann bis 1813 Bürgermeister.

 

1807 wurde Guiolett mit der „Demolition“ der Wallanlagen betraut. Beim Schleifen der Mauern halfen die Bürger, denn sie wollten die Grünanlagen unbedingt. Guiolett starb 1815 in Frankfurt und wurde ausnahmsweise in seiner Anlage beerdigt, umrahmt von seltenen Nadelhölzern unter einem leeren Halbtempel.

In der Taunusanlage ist ihm zusätzlich ein Denkmal gewidmet (L).

Der Festungsgraben sollte nur am Rechneigrabenweiher als Wasserreservoir in voller Breite erhalten bleiben. Später diente der Weiher als Spülung der städtischen Kanalisation, durch Überpflanzung seitens Rinz in die Promenade integriert.

Die Stadtmauer nördlich des Rechneigrabenweihers steht heute als Kulturdenkmal unter Denkmalschutz .


1963 wurde ein Gedenkstein am Ostufer des Rechneigrabens für den letzten Mainfischer Pfeiffer (ein 2 m hoher Kunststein) aufgestellt. 2003 wurde das nicht mehr sanierungsfähige Denkmal „Aal Pfeiffer“ abgebaut und durch einen Nachen aus rotem Mainsandstein (D) ersetzt, der den historischen Nachen nachgebildet ist. Es ist ein Denkmal für die Frankfurter Fischer- und Schifferzunft, die seit 945 bis heute existiert, wenn auch nur noch inoffiziell. Der Teich war zeitweise Aufzuchtbecken für Fische, die später im Main ausgesetzt wurden.


Am nördlichen Ufer des Rechneigrabens stößt man auf das Lessing-Denkmal (E), das vor 1961 und ursprünglich 1882 eigentlich vor der zwischenzeitlich nicht mehr ansehnlichen Stadtbibliothek stand.

Ein schmuckes ehemaliges

WC-Häuschen nahe der Zeil.



In der Friedberger Anlage befindet sich seit 1958 eine Gedenktafel für den Bürgermeister Fellner (F), der über den Verlust der Selbstständigkeit Frankfurts durch die Besetzung seitens der Preußen 1866 nicht hinwegkam und sich angeblich an der

Fellnerkastanie, die bis 1977 an der Gedenktafel stand und später neu gepflanzt worden war, erhängt hatte. Dieser Teil der Anlage ist der private Garten Fellners gewesen. Erhängt hat er sich tatsächlich in der Seilerstraße in seinem Garten.


In der Friedberger Anlage, ein paar Schritte weiter, begegnet man dem Rinz-Denkmal(G) von 1893, das zunächst in der Gallusanlage aufgestellt wurde und seit 1902 hier steht. Der ehemalige Schlossgärtner (1782-1861) Aschaffenburgs hat sich bei der Gestaltung des Anlagenrings große Verdienste erworben. Er ist auch der Gestalter des Hauptfriedhofs, des Günthersburgparks und der Parks von St. Georgen in Oberrad. Die Bäume und Sträucher für die Gestaltung des Anlagenrings holte sich Rinz aus dem Frankfurter Stadtwald und dem Taunus, die Zierpflanzen aus den Mainzer Hofgärten in Königstein oder aus dem Klostergarten Seligenstadt und dem Schloss Schönbusch.1812 waren die Arbeiten abgeschlossen. Alles wurde 1814/15 beim Abzug der französischen Truppen nach der Leipziger Völkerschlacht verwüstet und von Rinz erneuert. Aja Goethe schrieb an ihren Sohn J.W. Goethe 1808: „Die alten Wälle sind abgetragen, die alten Tore eingerißen, um die gantze Stadt ein Parck, man glaubt, es sey Feerrey. Die alten Perücken hätten so was bis an Jüngsten Tag nicht zuwege gebracht.“

 

Rinz' letztes Werk war übrigens das Nizza (am Main).


Einen besonders bekannten und großen Teil des Anlagenrings nimmt noch heute der ehemalige Garten von Moriz von Bethmann (H) ein. Er kaufte 1807 die Bastionsspitze des Friedberger Tors neben seiner Villa. Neben dem Teich erbaute er ein Museum für Abgüsse antiker Skulpturen(1811), das Odeon. Dies war das erste Frankfurter Museum. Es war vor allem für die Ariadne auf dem Panther gedacht, die man heute im Liebighaus findet. Die Ariadne-Statue war eine Hauptattraktion des alten Frankfurt.

Auf dem Grundstück von Bethmann wird später eine Mittlere Bürgerschule, heute die Berufsschule gegenüber dem Gericht, gebaut (nach dem 2. Weltkrieg neu!). Moritz von Bethmann lebte seit dem 18.Jahrhundert in Frankfurt. 1748 wurde die Firma Gebrüder Bethmann gegründet. Dieses Bankhaus und das Haus Rothschild waren die Financiers der deutschen und europäischen Fürstenhäuser. Bethmann war 1802 russischer Konsul und 1807 Generalkonsul. 1808 wurde Bethmann in den erblichen Adelsstand erhoben.

Bethmann war u. a. Mitbegründer der Musterschule 1803, des Philanthropin 1804, der 1. Jüdischen Realschule, der Weißfrauenschule 1813, Gründer der Polytechnischen Gesellschaft 1816.

Napoleon I, Zar Alexander und Königin Hortense, König Wilhelm III von Preußen, Königin Luise, Aja Goethe und Frau von Stael waren Gast bei Bethmann. Auch Kaiser Franz Josef war im Ariadneum (Odeon) Gast.

Napoleon nahm 1813 Quartier im Bethmannschen Gartenhaus am Hessendenkmal.

Das Bethmann-Denkmal wurde 1868 am Weiher der Friedberger Anlage aufgestellt. Auf dem Petersfriedhof ist im Übrigen die Familiengruft der Bethmanns zu finden.



In der Eschenheimer Anlage steht für den evangelischen Pfarrer und Frankfurter Geschichtsschreiber Anton Kirchner (I) ein Denkmal. Er war u. a. Hauslehrer der Familie Manskopf, die ein weltweit bekanntes Weinhandelshaus besaß und im Haus Liechtenstein am Römer ansässig war. Kirchner war auch als Lehrer an das Waisenhaus und als Prediger an das Irrenhaus der Stadt berufen, Herausgeber des Bürgerblatts und Redakteur des Frankfurter Journals. 1804 wurde Kirchner Pfarrvikar und zugleich Lehrer an der durch Wilhelm Friedrich Hufnagel gegründeten Musterschule, 1806 Professor für Religion, Kirchengeschichte und hebräische Sprache am Städtischen Gymnasium. 1807 wurde er Pfarrer an der Heiliggeistkirche, 1823 an der Katharinenkirche und 1833 an der neu erbauten Paulskirche, wo er am 9.Juni 1833

die Eröffnungspredigt hielt. Er wirkte auch an der Verfassung der Freien Stadt Frankfurt mit. Am bedeutendsten für Frankfurt ist aber sein Werk „Geschichte der Stadt Frankfurt am Main“.

Auf den Relieftafeln auf drei Seiten des Denkmals wird auf Kirchners Tätigkeitsbereiche hingewiesen. Sie zeigen dreimal die Francofurtia als allegorische Verkörperung der Stadt: rechts die Ecclesia mit Kreuz und Bibel vor dem Turm der Katharinenkirche, als Symbol des Predigers; links als Klio mit Buch und Stift vor dem Domturm, als Symbol des Historikers; in der Mitte die Lehrmeisterin der Kinder, als Symbol des Pädagogen.


An der Eschenheimer Anlage, zwischen Eckenheimer Landstraße und Oederweg, steht das „Maurische Haus“, das 1857 so erbaut wurde, wie man sich die islamische Bauart vorstellte. Es wurde nämlich von einem Frankfurter errichtet, der von einer Ägyptenreise mit einer orientalischen Geliebten zurückkehrte. Da die Frau unter starkem Heimweh litt, wollte er ihr ein Haus bieten, das sie an ihr Zuhause erinnerte. Das brachte ihn um sein gesamtes Vermögen und trieb ihn letztlich in den Selbstmord.


Kurz vor Erreichen des Eschenheimer Tors kommt man zum sogenannten Bürgergarten, der erst 1982 eingeweiht wurde. Die Sandsteinsäule der Pergola und die Janusköpfe des Wandbrunnens (Medusenbrunnen (1)) entstammen dem Löwensteinschen Palais, das von Marx Löwenstein  genannt Livingstone  in der Taunusanlage 12 Ende des 19.Jahrhunderts gebaut worden war und wo heute die Zwillingstürme der Deutschen Bank stehen.

Der Livingstonsche Reitstall ist noch vorhanden.


Geht man am westlichen Ende der Bürgergartens die Treppen wieder hinauf, gelangt man zum Philipp-Reis-Denkmal (J) von 1911. Philipp Reis hat in Frankfurt 1861 erstmals öffentlich das Telefon mit dem Satz “Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“ vorgestellt.

Und schon ragt Frankfurts ältestes Wahrzeichen vor uns auf, der Eschenheimer Turm.

Eschenheimer Turm

Seine Geschichte ist allein schon sehr spannend. Es lohnt, sich mit ihr zu befassen.

Der Turm wurde 1349 im Rahmen der Stadterweiterung durch Kaiser Ludwig d. Bayern errichtet und zwar erst als runder Turm mit daneben liegendem Tor (Richtung Oeder Weg, nicht Eschersheimer Landstraße). 1400 wurde der runde Turm abgebrochen und mit dem viereckigen Unterbau begonnen.


1426 der Aufbau des runden Turms.

Der berühmte Baumeister war Madern Gertener. Man kann ein Relief seines Kopfes am Torbogen entdecken. Der gleiche Baumeister errichtete auch die Alte Brücke 1399 und war der Werkmeister des Pfarrturms 1414-1432.

Die Wappenadler am Eschenheimer Turm sind von ihm (Reichsadler außen  Stadtadler innen). 1418 war der Turm fertig. Ein Vorbild auch für weitere Türme in der Stadt.

Weil der Turm die modernen Anlagen störte und an die Bastille erinnerte, sollte er 1808 beseitigt werden; 1832 das gleiche Vorhaben, weil die plumpe Mauermasse zwecklos dastehe, die Nachbarschaft verfinstere und freie Passage hemme. 1864 sollte der Turm abermals weichen, weil er ein Anachronismus sei, eine Verunstaltung der Straßen, ein völlig wertloses Objekt ohne historische Bedeutung (so jedenfalls Dr. med. Friedleben). Von Varrentrapp hat hier den Abriss verhindert.

1957 ist der letzte Bewohner des Turms verstorben. Er war Jahrgang 1879 und wohnte dort allein, züchtete 30 m über der Stadt Kaninchen und zog Geranien. Wie die Feuerwärter vor ihm ging auch er die 188 Stufen wassertragend und kohlenschleppend hinauf. 1960 sollte der Turm dann wieder mal abgerissen werden, da er den Bau der U-Bahn behindere ...

Das Kaminzimmer wird zurzeit von den Freunden Frankfurts für kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Jedes Frankfurter Schulkind lernt noch heute in der 3. Klasse die Sage von Hans Winkelsee ( 17.Jahrhundert), wonach er sich nach 9 Nächten in Haft in eben diesem Turm mit 9 geschossenen Löchern als „9“ in die Wetterfahne die Freiheit errang. Das Knarzen der vermaledeiten Fahne hatte ihn nachts ja auch stets wach gehalten ... 

1859 jedenfalls wies die Wetterfahne nachweislich die 9 Schusslöcher auf. 1874 wurde die Fahne durch Blitzschlag zerstört und 1885 durch eine Fahne mit 6 (?) Löchern ersetzt. Das wurde 1932,1959,1963 jeweils bei Renovierungen verwundert bemerkt (??), aber erst 1976 bekam der Turm wieder eine Fahne mit 9 Löchern. Na, geht doch!

Auf dem Eschenheimer Turm stand früher eine ständige Wache, die „Sturmknechte“. Sie zeigten den Hirten das Anrücken von feindlichen Rittern (aus dem Taunus) an, indem sie einen Korb aufzogen, für die Stadt bliesen sie das Horn und läuteten Glöckchen, wonach die Sturmglocke auf dem Dom zu den Waffen rief. Der Turm wurde auch zum Aufbewahren wichtiger Dokumente genutzt.

„Eschenem“ nannte man den Vorort, den Turm und die Große Eschenheimer Straße entsprechend. Die Eschersheimer Landstraße ist hochdeutsch.


Tipp: Zwar liegen die meisten der Sehenswürdigkeiten noch vor Ihnen, doch die Hälfte der Wegstrecke ist geschafft! Warum nutzen Sie nicht die Besichtigung des Eschenheimer Turms, um im Restaurant dort einzukehren?


Und wer sich wieder orientieren möchte:

Wir befinden uns jetzt zwischen J und K bei der kreisförmigen gelben Markierung.

Geobasisdaten: © Stadtvermessungsamt Frankfurt am Main, 2015   Liz.-Nr. 623-0615-I
Geobasisdaten: © Stadtvermessungsamt Frankfurt am Main, 2015 Liz.-Nr. 623-0615-I

(K)

– – –– – –  – – Börne-Gedenktafel – – – – – – –
– – –– – – – – Börne-Gedenktafel – – – – – – –

Unweit des Eschenheimer Tors befindet sich das Nebbiensche Gartenhaus von 1810, das die Kriege unbeschadet überstanden hat. Es wurde für Verleger Marcus Johannes Nebbien erbaut, dem das angrenzende Grundstück in der Hochstraße gehörte. Gartenhäuser waren trotz Wallservitutes gestattet. Später gehörte das Haus dem Bankier Andreae, der es nach der Annexion der Freien Stadt Frankfurt an das preußische Militär verkaufte. Es wurde als Musterungslokal für die Frankfurter Rekruten genutzt.


Neben dem Gartenhaus erblicken wir den Florentiner Brunnen (2), der aus der Renaissance stammt (16.Jh.). Er ist aus Florentiner Marmor gearbeitet und stand früher im Garten der Villa Waldfried ( von Carl von Weinberg) in Niederrad. Das Haus selbst wurde im Krieg zerstört, der Brunnen zog in die Wallanlage um. Der Baum hinter dem Haus ist übrigens ca. 200 Jahre alt.

 

Der Anlagenteil zwischen Eschenheimer Turm und Alte Oper ist die Bockenheimer Anlage. Das Bockenheimer Tor stand dort, wo heute die Alte Oper ist. Ein kleiner Teil der Anlage heißt jetzt auch Liesel-Christ-Anlage. Der ganze Anlagenteil ist sehr groß und schon von alters her besonders begrünt. In der Mitte liegt ein kleiner Weiher, der von dem ehemaligen bewässerten Stadtgraben übrig geblieben ist. Oberhalb des Weihers stand die Villa Nebbien, nach dem Krieg wurde hier das 1. Hallenbad „Stadtbad Mitte“ eröffnet, das jetzt Teil des Hilton ist. Allesamt brechen sie das Wallservitut.

 Am Weiher stehen mehrere moderne Skulpturen wie etwa die Kavatide und der Torso II.

Gar nicht weit von hier in der Hochstraße 45 existiert ein weiterer interessanter Ort: Wie auf einer Bronzetafel zu lesen ist, wohnten hier Otto von Bismarck 1851 für 4 Monate, sowie zur selben Zeit der Frankfurter Nervenarzt Dr. Heinrich Hoffmann (Struwwelpeter) von 1851-1859. (Bismarck lebte insgesamt 8 Jahre in Frankfurt)

Auf Initiative des damaligen Oberbürgermeisters Mumm von Schwarzenstein (übrigens auch für den Bau des Eisernen Stegs verantwortlich) wurde aus Spendengeldern die Alte Oper zunächst für 2000 Besucher konzipiert und am 20.10.1880 nach 7-jähriger Bauzeit eingeweiht. Nach einem Festspiel von Jordan wurde es dem „Wahren, Schönen, Guten“ gewidmet. Kaiser Wilhelm I war gekommen und es wurde eine eigens geschriebene Festouvertüre gespielt. Als Erstes wurde Mozarts „Don Juan“ aufgeführt.

1944 wurde das Haus zerstört und – erneut aus Spendengeldern finanziert – an Goethes Geburtstag am 28.8.1981  wiedereröffnet.

Die Pantherquadriga von 1902 mit der Siegesgöttin Nike thront erst seit 1981 auf der Alten Oper. Sie stand ursprünglich auf dem Schauspielhaus, war verschollen und wurde von der Aktionsgemeinschaft Alte Oper nach ihrer Entdeckung für eine ¼ Mio. DM gekauft und gestiftet. Der ursprüngliche Giebelschmuck der Alten Oper, ein von zwei Greifen gezogener Sonnenwagen des Phöbus Apollon, war 1944 zerstört worden.

 Nebenbei bemerkt stellt auch der Bau der Alten Oper einen Eingriff in das Wallservitut dar.



Vor der dem Gebäude steht der 1872 vom Architekten der Alten Oper entworfene Lucae-Brunnen (4), der eigentlich für den Rahmhof (SchillerstraßeBörse) gedacht war und auch erst 1983 vom Bildhauer Hüller realisiert wurde. Die alten Schalenbrunnen (3) an der Seite der Alten Oper standen schon Ende des 19.Jahrhunderts auf dem Opernplatz. Allerdings handelt es sich nun um Kopien, die 1983 aufgestellt wurden.

 


Gegenüber der Alten Oper stand von 1908 bis zum 2. Weltkrieg das Bismarckdenkmal, das eingeschmolzen wurde. Heute befinden sich dort Arkaden. Ein paar Schritte weiter trifft man auf den Marshallbrunnen (5) aus dem Jahr 1962, der die drei Grazien aus der Kaiserpfalz-Scene im Faust darstellt: Geben, Nehmen und Danken.


Nicht weit davon entfernt, am äußeren Rand der Anlage, steht das Guiollett-Denkmal (L) von 1837 in der Taunusanlage (das Grab am Rechneigraben haben Sie ja schon passiert).


In einer kleinen Nische gegenüber entdeckt man die Skulptur „Aufforderung(M), ein 2 m hoher Bronzetänzer in kleinem Pavillon (seit 1986).

An der Junghofstraße stößt man auf die eher unscheinbare „Liegende(N) von 1937 aus Muschelkalk.

Auf der anderen Straßenseite „Flora(P) aus dem Jahr 1934.


Am Straßenrand zur Taunusanlage befindet sich der Winzerbrunnen (Lachhannes (O)) von 1859, der ursprünglich auf den Goldfischweiher des DuFayschen Gartens blickte.


Eine kräftige Mauer stützte den oberen landschaftlichen Gartenteil gegen den tiefer gelegenen Nutzgraben ab. Auf dem Hügel stand bis in das 20.Jahrhundert ein Gartenhaus, das später als Café genutzt wurde, das sog. Schweizer Häuschen. Übrigens sind die Gärten damals auch von den Spaziergängern gepflegt worden, und man war stolz, sie nicht besonders schützen zu müssen. Das hat sich später leider geändert ...

Seit 1951 erhebt sich dort oben das Beethovendenkmal (R), an dem Georg Kolbe bis zu seinem Tod 1947 gearbeitet hatte. Es stellt den Genius mit Sinnender und Rufender dar.


Zu Füßen des Denkmals „Ein Haus für Goethe(Q) aus dem Jahr 1986 aus Kunststein:


 Wieder ein bisschen weiter am inneren Rand der Anlage kann man das Schneewittchendenkmal (T) entdecken, das 1930 an einem dort befindlichen Spielplatz errichtet wurde. Der Spielplatz ist nach der Zeit der Drogenszenen hier aus der Anlage verschwunden.

Dafür findet sich hier seit 1980 die Diagonale, ein bearbeiteter Granitblock, der zuvor Teil des Goethedenkmals war. Gegenüber erblickt man das Denkmal für


 Heinrich Heine (S) „Schreitender + Ruhende“ (1913) ebenfalls von Georg Kolbe. Das Heine-Denkmal wurde von den Nazis aus dem Anlagenring entfernt, da der Künstler sich gegen das Regime ausgesprochen hatte und Heine jüdischer Herkunft war, blieb jedoch unter der Bezeichnung „Frühlingslied“ im Garten des Städelschen Kunstinstituts in Frankfurt am Main, da es schon dem nationalsozialistischen Kunstgeschmack entsprach. Das einzige erhaltene Heine-Denkmal in Deutschland aus der Zeit vor 1945.


Das Schillerdenkmal (U), das 1864 an der Hauptwache enthüllt worden war (hier beginnt die Schillerstraße), später an den Rathenauplatz und 1955 in die Taunusanlage zog, soll eigentlich an seinen alten Platz zurückkehren; allerdings muss dazu noch der Platz an der Hauptwache (Eingang zur B-Ebene) umgestaltet werden –  mal sehen.


Am BFG-Hochhaus stand bis vor wenigen Jahren noch das Goethedenkmal, das wieder auf seinen ursprünglichen Platz, den Goetheplatz zurückgezogen ist.

Übrigens: Bis 1852 wurden im Westen der Wallanlagen drei (!) Sackbahnhöfe (für 3 Linien) nebeneinander gebaut, weil die dichte mittelalterliche Bebauung eine Strecke durch die Stadt nicht erlaubte. 1839/40 wurde die Taunusbahn FRANKFURTHÖCHSTWIESBADEN eröffnet und ist damit die älteste Eisenbahnstrecke in Hessen (1848 entsteht dazu passend der Ostbahnhof). Die Konzession hatten Rothschild/Gebr. Bethmann erhalten.1848 wird der Main-Neckar-Bahnhof eröffnet, die Main-Neckarbrücke bei Niederrad existiert noch heute. 1850 folgte der Main-Weser-Bahnhof. (Vielleicht gönnt uns die Stadt ja hier ein entsprechendes Bild.)



Auch später plante man durch die Wallanlagen eine Zugstrecke, stattdessen wurde eine Strecke längs des Mainkais gezogen: diese Strecke gibt es noch, aber nur für besondere Anlässe.

Am Theaterplatz befinden sich die Städtischen Bühnen. Das ehemalige Schauspielhaus aus hellem Sandstein mit Pantherquadriga von 1899-1903 griff nicht in das Wallservitut

ein. Zum Theater dazu wurden von der Stadt zwei Geschäfts- und Wohnhäuser in architektonischer Einheit gebaut, links unten mit Wein- und Bierrestaurant „Faust“. Reste der Fassade sind im Neubau integriert und seit Ende der 1980er Jahre im Foyer sichtbar.

Gegenüber der Oper steht ein neues Denkmal für Frankfurt, der „EURO“.


Neben der Oper steht der Märchenbrunnen (6) von Friedrich Hausmann von 1910 mit dem „Mainweibchen“, einer Nixe aus Marmor und mit diversem Meeresgetier.


Anton Kirchner schrieb 1818 in seinen „Ansichten von Frankfurt am Main und seiner Umgegend“ begeistert darüber, dass aus kriegerischen Anlagen eine Zierde für Frankfurt entstanden sei. Und das ist der Anlagenring auch heute noch  mit schönen alten Bäumen und viel Grün fürs Auge und die Seele.

Und an dieser Stelle geht unser Rundgang "offiziell" zu Ende. Wir sind am Nizza und wieder am Main gelandet. Wer möchte, kann von hier aus einfach weiter auf Entdeckungsreise gehen.




Der Gartenmeister Rinz hatte nach Zuschüttung des Winterhafens (Nizza) die Wallpromenaden am Main fortgesetzt.

– – – – – – –Bronzerelief an der Kaimauer – – – – – – –
– – – – – – –Bronzerelief an der Kaimauer – – – – – – –


Trug entscheidend zur Gestaltung des Nizza bei:

Andreas Weber, Enkel von Sebastian Rinz

Im Nachgang zeige ich noch ein paar kleine Kunstwerke und Hingucker im Anlagenring oder an dessen Rand. Ganz fertig kann man mit dieser Betrachtung ohnehin nicht sein, da die Frankfurter bestimmt auch weiterhin die Anlagen bestücken werden und in Frankfurt ein Phänomen herrscht, Kunstwerke, Denkmäler und vor allem Brunnen immer mal wieder umziehen zu lassen. Die vorgenannten Betrachtungen des Anlagenrings sind damit sicher nicht in Ewigkeit gültig. Wir werden uns bemühen, ab und an nachzusehen, ob noch alles da ist ...!


 Der Nachgang

Da ist zunächst mal das Uhrtürmchen, eine Normalzeituhr aus der Renaissance. Es steht auf der Zeil, dort, wo der Sandweg beginnt und man das Zoogesellschaftshaus schon sehen kann.

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An der Friedberger Anlage befindet sich auch der Bethmann-Park am unteren Ende der Bergerstraße. Die Chinesen haben der Stadt einen echten chinesischen Garten geschenkt, der auch dort zu finden ist. Der ganze Park ist fast zu jeder Zeit ein Blumenmeer und wird gerne besucht.

 

Am Nebbienschen Gartenhaus gibt es auch noch einen kleinen sehr hübschen Brunnen auf der westlichen Seite.


In der Hochstraße wurden vor nicht allzu langer Zeit noch Reste der Stadtmauer entdeckt (zurzeit leider nicht einsehbar), fälschlich auch mal Staufenmauer genannt, die, wie oben beschrieben, noch sehr eng den Stadtkern unterhalb der Zeil umgab.


Neben der Alten Oper, auf der anderen Seite des Reuterweges, liegt der Rothschildpark. Dieser Park befindet sich auf einem von Rothschild 1816 gekauften Grundstück. 1832 entstand der Park im Stil eines Englischen Landschaftsgartens mit einer nachgebauten Ruine, dem neugotischen Turm, der noch heute erhalten ist. Das Palais und eine Orangerie stehen nicht mehr. 1941 wurde bei Kolbe der Ring der Statuen in Auftrag gegeben; Hüterin, Junges Weib, Amazone, Auserwählte, Herabschreitender und Stehender Jüngling wurden von Kolbe selbst geschaffen und von R. Scheibe (Prof. am Städel 1925-1935) vollendet und 1954 aufgestellt.

Hinter der Alten Oper, auf dem ehemaligen Gelände der Metallgesellschaft (LURGI), 1881-1994, befinden sich nun die Welle und das schön hergerichtete Gebäude der Baer-Bank.

Auf dem Gehweg in der Taunusanlage (Höhe Deutsche Bank) hat 2002 der Frankfurter Künstler Vollrad Kutscher das Pfennig-Denkmal geschaffen.

In Granit liegt eine Bronzescheibe in Form eines Brotes, sie erinnert an einen Messpunkt der Stadt. Jedes Jahr findet hier eine Gedenkfeier für den Pfennig statt mit einer Flamme im Mittelpunkt. Rund um die Scheibe liegen 24 Pfennig im Pflaster.




Erst 2008 zog „Der Olymp von Weimar“,

der an Goethe erinnern soll,

vom Westend Carré in die Gallusanlage an den Punkt,

an dem das Goethedenkmal zwischenzeitlich stand, das jedoch an den Goetheplatz zurückzog ...,

wo es bald wieder umziehen wird nach ... 

nein, keine Angst, jetzt hat es wohl seinen endgültigen Platz erhalten. Falls nicht, es wird sich finden lassen ...

Die Frankfurter achten auf ihre Schätze.


 Die weiter oben beschriebenen 3 Kopfbahnhöfe wurden1888 durch den Hauptbahnhof 1888 ersetzt, dessen Einteilung aber noch auf diese 3 Bahnhöfe hinweist. Das Bahnhofsviertel entstand erst danach. Auf dem Gelände der Bahnhöfe steht heute u. a. das von Jürgen Schneider im alten Stil gebaute wunderschöne Eckhaus am Schauspielhaus.

 Das Opferdenkmal zum Gedenken an die Toten des 1. Weltkrieges stammt aus dem Jahr 1920 und gehört seit 1950 der Stadt, dazu wurde es nach Osten gedreht und ein Stück weit in die Anlage gerückt.

Die Kugelbrunnen

(auf dem Weg zum Schauspielhaus)

Kleines Mädchen mit Kerze

am jüdischen Museum