Frankfurt und seine Brücken

Text und Bild: Renate Zalewski-Eckert

 

 

 

 

Hier wird geschuftet!

Alte Brücke

 Dieses alte Volkslied, das ich gerne gesungen habe, bezieht sich offenbar auf die ALTE BRÜCKE in Frankfurt. Sie entstand möglicherweise schon vor 1035, auf jeden Fall gab es sie im Jahr 1222. Wahrscheinlich befand sich schon lange vorher an der gleichen Stelle eine hölzerne Brücke. Steinerne Brücken baute man in unseren Breiten erst später.

Die Alte Brücke wurde immer wieder erneuert, da sie durch Hochwasser und die Fluten litt oder sogar einstürzte, mitsamt ihrer zwei Brückentürme. Der berühmte Baumeister Gerthener (vgl. Türme Frankfurt) baute wohl im 15. Jahrhundert eine neue Brücke mit 13 Bögen und 2 Türmen und dem Kruzifix mit „Brickegickel“. (Der Sage nach versprach der 1. Baumeister dem Teufel die 1. Seele, die über die Brücke geht, für die Hilfe beim Bau. Der Baumeister jagte bei seiner üblichen Erstbegehung aber ein Huhn (Gickel) vor sich über die Brücke und der Teufel stampfe wütend ein Loch hinein und verschwand.)


Um 1741 wurde die Brücke  neu gebaut und bis 1848 war diese Brücke immer noch die einzige Mainbrücke in Frankfurt.

Mit Bau des Eisernen Stegs (1869) der Main-Neckar-Brücke (1882) wurde die Brücke zur „ALTEN“Brücke.

 

 

 

 

1912 wurde dann wieder der Grundstein für eine moderne Brücke gelegt, denn  die Kanalisierung des Mains um 1880 und der dadurch gesunkene Wasserspiegel und der Osthafen hatten die Alte Brücke zu einem Problem für die Mainschiffahrt gemacht.

Erst 1926 wurde die sog. „Neue Alte Brücke“  eingeweiht, 1945 gesprengt und 1947 provisorisch wiederaufgebaut.

Um die  Alte Brücke 1965 erneuern zu können, hatte man als Entlastung 1964 gleich nebenan die Flößerbrücke gebaut.

Die bislang letzte Sanierung wurde 2014 beendet.

 

 

 

 

 

Die Brücke  führt über eine Maininsel, wobei  der Main südliche der Insel für die Schifffahrt zu flach ist. Dies Wasser diente früher den  Mainmühlen. Diese Insel steht unter freiwilligem Schutz der Stadt und das bleibt hoffentlich auch so. Die Uferbefestigung stammt noch aus der Zeit um 1880.

Der Portikus ist ein Neubau(2006) nach einer Idee des Architekten Mäckler.

 

 

Die erst vor kurzem anstelle des Brickegickels wieder auf der Alten Brücke aufgestellte Sandsteinskulptur (Kopie) von Kaiser Karl dem Großen wurde 1843 vom Städelschen Kunstinstitut der Stadt geschenkt.

 

1914 war sie entfernt worden und steht im Original (allerdings mit vom Bildhauer Hüller erneuertem Kopf und Händen) seitdem im Historischen Museum.

 

Am Brickegickel (seit 1401-ursprünglich über der tiefsten Stelle des Mains, in der Mitte der Brücke) befand sich im Mittelalter die Stelle, an der Straftäter ertränkt wurden.

 

Am 28.2.1616 hatte man 4 Köpfe auf Eisenstangen unter dem Dach des Frankfurter Brückenturms aufgespießt. Es handelte sich um die Köpfe der 3 Aufständler des Fettmilchaufstandes und eines anderen Delinquenten. Lt. Urteil sollten die Aufständler  für ewige Zeiten dort verbleiben. 1707 fiel ein Kopf runter und musste wieder befestigt werden, 1717 fiel der 1. Kopf unwiederbringlich in den Main, 2 weitere folgten. Der letzte Kopf wurde beim Abriss des Turms erst 1801 entfernt. Goethe hatte einen Kopf dort noch hängen gesehen.

Auf der Brücke galt seit alters her die „BRÜCKENFREIHEIT“. Wer den friedlichen Verkehr der Brücke störte, die im Prinzip außerhalb der Stadt stand aber für sie außerordentlich wichtig war, auch für den Handel in Europa, dem sollte die Hand abgehackt werden. Dies besagte eine Inschrift und für Analphabeten ein drastisches Bild am Brückenturm. Das o.g. Volkslied besingt die Brückenfreiheit.

Eiserner Steg

 

Erst 1869 wurde eine 2. Brücke, der Eiserne Steg gebaut.

 

Bis dahin gab es an allen Stellen, an denen später Brücken gebaut wurden, Überfahrten, die von den Frankfurter und Sachsenhäuser Fischern erfolgten. Dieses Recht zur Fischerei und Überfahrt hat sich die Fischer- und Schifferzunft bis heute erhalten.

 

Es handelt sich um eine Stahlbrücke, man sprach damals aber von „Eisen“. Wie die Alte Oper wurde sie aus Spendengeldern errichtet, da auch hier der Magistrat die Kosten scheute.

 

Wer später über die Brücke wollte, musste bis 1886 (solange war sie in Privathand)  1 Kreuzer Maut entrichten.

 

Bauingenieur war übrigens Herr Schmick, der dann auch die Untermainbrücke und die Obermainbrücke baute. „ Kaa Brick ohne Schmick“ ...

 

 

Der Ort für die Brücke bot sich an, da man vor hier schnell am Römer im Mittelpunkt der Stadt ist. (vgl. Ulrichstein - Frankfurt und seine Türme II)

 

Eine Haltestelle der „Verbindungsbahn“, der Frankfurter Hafenbahn, gab es bereits.

 

Durch den Bau des Osthafens, der größere Kähne zur Folge hatte, musste der Steg 1912 hochgemauert werden. Die gotischen Türmchen auf den Dreiecksspitzen entfielen. Durch die Erhöhung musste man den Aufgang, wie man ihn heute kennt, bauen.

 

Nach 1945 wurde der gesprengte Steg schnell wieder aufgerichtet. 1969 nochmal um 2 Stufen erhöht.

 

1993 musste der Steg renoviert werden nach dem Motto: „ Der Eiserne Steg wird abgerissen. Wieso? Na, der Holzwurm ist drin.“

 

Ich habe noch einen alten Eisennagel des Eisernen Stegs, dessen Verkauf (ich glaube es waren DM 5,00) die Kosten senken sollte. Der Eiserne Steg war also 1 Jahr weg, zum Ersatz hatte man vorher den Holbeinsteg gebaut.

 

 

 

Der Steg wird heute leider durch viele Vorhänge-Schlösser verschandelt und beschädigt.

 

Ich habe mich hier 1990 verlobt- ganz ohne Schloss.

 

Der griechische Schriftzug über der Brücke wurde 2001 bei einem Museumsuferfest wegen des Gastlandes der Buchmesse Griechenland  angebracht. Er ist aus Homers Odyssee: „Segelnd auf weindunklem Meer hin zu Menschen anderer Sprache."

 

 

 

 

 

Für heute ist Schluss!