Frankfurt und seine Türme II

Bild und Text: Renate Zalewski-Eckert


Frankfurt, das bedeutet durch die schweren Zerstörungen im 2. Weltkrieg eine Allianz historischer Gebäude und moderner Bauten. Genau das macht jetzt Frankfurts besonderen Reiz aus. Und das gilt auch für Hochbauten.
Spitze des Messeturms vom Opernplatz aus
Spitze des Messeturms vom Opernplatz aus

 

Besonders gelungen sind für unser Empfinden die modernen architektonischen Entwürfe, die in sich selbst eine Verbindung von alt und neu tragen. Ein Beispiel dafür ist der Messeturm, modern, ungeheuer hoch, aber in seiner Gestalt und der Verwendung des im alten Frankfurt überall anzutreffenden warmen Rots des Buntsandsteins kein Fremdkörper.

 

Nachfolgend stellen wir Ihnen historische Türme vor und dazu Türme, die sich von den bereits gezeigten Hochhäusern abheben. Beispiele für sakrale Türme folgen im anschließenden Kapitel.

DIE WARTEN:

Schon früh hatte man um das Stadtgebiet Frankfurt Landwehren gezogen, soweit die Natur nicht schon eine Wehr darstellte, wie z.B. die Nidda. Der Stadtteil Dornbusch heißt beispielsweise genau nach jenen Dornbüschen, die man einst als Landwehr gepflanzt hatte. Auch Höfe außerhalb des Stadtgebietes dienten dem Schutz der Stadt (z.B. Kühhornshof – jetzt befindet sich der Hessische Rundfunk auf diesem Gelände.)

Zusätzlich zum Schutz der Stadt besaß Frankfurt 4 Warten, aufgebaut wie kleine Burgen. Hier gab es Wächter, Waffenlager u.v.a.m .

Die Stadt wurde bei drohenden Gefahren durch Fackeln oder Fahnen gewarnt.

Sachsenhäuser Warte

 

Die Sachsenhäuser Warte so, wie sie jetzt dasteht, existiert seit dem 16. Jahrhundert. Eine Warte stand aber schon vorher hier.

Die Bockenheimer Warte existiert seit 1435. Bis 1866 verlief hier die Grenze Frankfurt- Bockenheim.


1476 wurde eine Landwehr um Bornheim gezogen. Die Friedberger Warte wurde 1478 gebaut. Seit 1885 dient sie als Belüftungsschacht der Kanalisation.


Galluswarte

Die Galluswarte ist aus dem Jahr 1552, aber schon 1414 stand hier eine Warte.

Eine 5.Warte, die Röderberg-Warte in den Riederhöfen, existiert nicht mehr.


Die Berger Warte befand sich früher außerhalb des Stadtgebietes und stammt aus dem Jahr 1557. Sie ist keine Warte im eigentlichen Sinne, bis hier wurden die Händler aus Frankfurt zu ihrer Sicherheit geleitet.

Eine Treppe gab es erstmal nicht, nur eine Leiter, die man wegziehen konnte, wenn man sich zum Schutz in den Turm zurückzog.

Der Galgen stand lange Zeit daneben, daher sagt man zu diesem Gebiet auch noch Berger Galgen.

 Der Eschenheimer Turm ist sicher der bedeutendste und schönste Turm in Frankfurt. Man kann ihn auch von innen erkunden, wenn man dort einkehrt. Näheres finden Sie in unserem Kapitel ›Ein Spaziergang durch den Anlagenring‹.

Wasserturm am Lindenbaum

(seit 1901)

Auf der heutigen Strecke der U1-U3 auf der Eschersheimer Landstraße wurde 1888 eine Schmalspur-Dampfstraßenbahn vom Eschenheimer Turm nach Eschersheim gebaut. Danach entstanden eine Villenkolonie und neue Straßen. Ein Wasserwerk wurde erforderlich, das 1901 entstand.


Der Wasserturm am Lindenbaum steht noch heute, ist aber vielen Frankfurtern unbekannt. Ich finde, ein kleiner Ausflug hierhin lohnt sich.

Der Wasserturm in Rödelheim (1899) war ein Trinkwasserspeicher, heute ist er nur noch ein Bürogebäude. Er liegt etwas am Rande des Stadtteils aus dessen Altstadt man ihn nicht sieht, obwohl er mit 51 m eine beeindruckende Höhe aufweist.

Bertramshof

Der Betramshof wurde 1888 als Meierei durch Louise von Rothschild erbaut (vgl. Grüneburgpark – ›Grünes Frankfurt‹). Der Hof bestand aus einem Gutshof mit Wasserturm und Stallungen. An der Betramswiese gelegen, nahe dem Marbachweg, der Teil der Via Regia ist (s. Hohe Straße – ›Grünes Frankfurt‹)

Nebenan lag der Kühhornshof von 1323, der zur Landwehr gehörte. Auf beiden Grundstücken befindet sich jetzt der Hessische Rundfunk.


Wasserturm im Gallusviertel

Baujahr 1911

Dieser Wasserturm steht auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs, von dem sonst nur ein Stellwerk übrig geblieben ist.

Ganz in der Nähe befindet sich das Messetorhaus, des Weiteren soll der »Porsche Design Tower« als exklusiver Wohnturm entstehen. Na, man wird sehen. Frankfurt entsteht in dieser Region völlig neu und wirkt noch ziemlich steril.

Rententurm

(von 1456)

ehemals Sitz des Rentmeisters, der Hafengebühren und Zölle kassierte.

Heute ist der Rententurm Teil des Historischen Museums.


Tipp: Ein abwechslungs- reiches Museum, auch für nicht geübte Museumsgänger zu empfehlen, man fühlt sich in die Geschichte Frankfurts hineinversetzt.


Das Museum befindet sich derzeit im Umbau, trotzdem sehenswert!

 

Turm am Rathaus: Der lange Franz

 

Anfang des 20. Jahrhunderts ist er zusammen mit dem kleineren Turm des Rathauses in Anlehnung an den alten, nicht mehr vorhandenen Brückenturm gebaut worden und war mal 70 m hoch. Jetzt hat er durch sein flaches Dach nach dem Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg nur noch 60 m aufzuweisen. Die Mosaike zeigen den Hl. Florian und den Erzengel Michael. Franz heißt er nach dem damaligen Bürgermeister Adickes.

Übrigens hatte man die jetzt nicht mehr vorhandenen Stundenglocken des Langen Franz »Frau Rat« und »Cornelia« genannt. Gemeint waren Goethes Mutter und Schwester. Frau Aja genoss offenbar hohes Ansehen.

Seufzerbrücke Frankfurt mit  »Langer Franz« (Hintergrund)
Seufzerbrücke mit »Langer Franz« (Hintergrund)

Langer Franz

Kleiner Cohn

Langer Franz und Kleiner Cohn


Kuhhirtenturm

 

 

 

Der Kuhhirtenturm befindet sich in der Nähe des Deutschordenshauses und der Jugendherberge, die direkt am Main steht. Dieser Wehrturm war Bestandteil der Stadtmauer auf Sachsenhäuser Seite. Der Komponist Paul Hindemith wohnte und arbeitete hier.

Weißer Turm Bergen (1472)

Einer von 5 Türmen der Befestigung Bergens, die den Hanauer Grafen gehörte. Als Einziger dieser Türme wurde der Weiße Turm im 19. Jahrhundert nicht abgerissen.


Weißer Turm Höchst

Er ist eindrucksvoller Bestandteil des Alten Schlosses, das im 14. -16. Jahrhundert auf den Resten einer alten gotischen Zollburg gebaut wurde. Von der Burg sind noch der Mauerring und der ehemalige Wassergraben (trockengelegt) erhalten.

Turm am Leonhardstor

 

Dieser Turm kam bei Abrissarbeiten erst vor wenigen Jahren zum Vorschein, was mir bei einer Fototour

aufgefallen war. Da wusste ich noch nicht, dass es sich um den Treppenturm des Gasthofs ›Zum Prinzen Carl‹ aus der Zeit um 1350 handelte. Ich freue mich sehr, dass der Architekt des Opernturms diesen Turm mitsamt dem mit einer Muschel verzierten Wasserbecken am Sockel für die Nachwelt erhalten und aufgearbeitet hat.

Foto der Baustelle 2009


Goetheturm

*** Im Oktober 2017 abgebrannt! ***

Der Goetheturm wurde 1931 (kurz vor dem 100. Todesjahr Goethes) anstelle eines kleineren Holzturms aus dem Jahr 1867 wieder errichtet.

43 m hoch und bis 1999 der höchste begehbare Holzturm Deutschlands. Man kann ihn vom Stadtgebiet aus oder von der A 661 erkennen, derart ragt er aus dem Stadtwald heraus.

Goethe kannte diesen Turm nicht, war aber vermutlich gelegentlich auf dieser Anhöhe im Süden Frankfurts, nicht weit von der Darmstädter Landstraße und der Sachsenhäuser Warte entfernt; Reisende in den und aus dem Süden kamen hier unweigerlich vorbei.

Mit der Plattform noch vor der Renovierung
Mit der Plattform noch vor der Renovierung

Ein schönes Garten-Café und Restaurant sowie ein toller Kinderspielplatz machen den vor Kurzem renovierten Turm (mit seiner Aussichtsplattform und grandiosem Rundumblick) zu einem für alle lohnenden Ausflugsziel.

Henningerturm: Höhe 119 m; 1961-2013

Der Turm war das Getreidesilo der Henninger-Bräu AG. In dem runden oberen Turmteil, das wie ein Fass aussah, befand sich ein Drehrestaurant. Bis 1974 das höchste Bauwerk in Frankfurt. Wenn man früher mit dem Zug oder Auto auf Frankfurt zufuhr, war er die erste weit sichtbare Landmarke. Für alle Schulkinder ein beliebtes Ausflugsziel; die Fahrt mit dem Aufzug war aufregend, das Drehrestaurant spannend und lustig. Mit der sich langsam drehenden Scheibe kam man mit seinem Tisch am Eingang oder dem Buffet vorbei, immer wieder…(und Frankfurter Würstchen gab es auch).

Ich hoffe, der in Anlehnung an den alten Henninger Turm z.Zt. im Bau befindliche Turm wird dem Original sehr ähnlich!!

Europaturm, auch »Ginnheimer Spargel« genannt

Frankfurt Fernmeldeturm Ginnheimer Spargel

Er steht eigentlich in Bockenheim und ist ein Fernmeldeturm und das höchste freistehende Bauwerk in Deutschland (Bausubstanz). Das Restaurant ist leider nicht mehr in Betrieb. 1980 bin ich noch in den Genuss des herrlichen Ausblicks dort oben gekommen und hoffe, dass das eines Tages doch wieder möglich sein wird.

Frankfurt Fernmeldeturm Ginnheimer Spargel

»Ginnheimer Spargel« von der Bertramswiese aus
»Ginnheimer Spargel« von der Bertramswiese aus

Aus dem Frankfurt-Thriller »Härter als der Tod« :

Ab und zu pfiff der Wind durch die Bäume und schüttete Nässe in fächerförmigen Schleiern auf sie aus. Ansonsten war es fast unheimlich still. Selbst Mark hieß das Spatengeräusch willkommen, als er begann, das Grab für Bohrman zu schaufeln.

Gunnar lehnte an einer dürren Lärche und ließ gelegentlich die Taschenlampe aufblitzen, sobald er meinte, es hülfe Mark, sich beim Graben zu orientieren. Das Licht des Mondes schlüpfte zu ihnen durch, sowie die Wolkendecke einmal aufriss. Als Mark kurz hoch


schaute, sah er zwischen den Zweigen der tiefschwarzen Silhouetten der Bäume hindurch die magentafarbene Beleuchtung des Fernmeldeturms.

 

Fast hätte ich es vergessen.

Bis 1930 stand in Sachsenhausen unterhalb des Eisernen Stegs der Ulrichstein am Main aus dem 13. Jahrhundert. Ulrich III. von Hanau hatte Mitte des 14. Jahrhunderts das Reichsschultheißenamt erlangt und auch schon den Stadtwald ergattert. Der Turm stand somit strategisch günstig für ihn, der die Stadt als Ganzes haben wollte. Siegfried von Marburg zum Paradies machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Der Umriss des Turms ist als Pflasterring auf der Straße zu sehen.